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Amyotrophe LateralskleroseAmyotrophic Lateral SclerosisK. Kollewe, S. PetriBibliografieDOI 10.1055/s−0028−1090207Klin Neurophysiol 2009; 40:3C17716 C23 Georg ThiemeVerlag KG Stuttgart C180 New York C180ISSN 1434−0275KorrespondenzadresseProf. Dr. Susanne PetriNeurologische Klinik derMedizinischen Ho...  
Amyotrophe LateralskleroseAmyotrophic Lateral SclerosisK. Kollewe, S. PetriBibliografieDOI 10.1055/s−0028−1090207Klin Neurophysiol 2009; 40:3C17716 C23 Georg ThiemeVerlag KG Stuttgart C180 New York C180ISSN 1434−0275KorrespondenzadresseProf. Dr. Susanne PetriNeurologische Klinik derMedizinischen HochschuleHannoverCarl−Neuberg−Straße 130625 HannoverPetri.Susanne@mh−hannover.deFort− und Weiterbildung 3Lernziele!" Klinisches Bild und unterschiedliche Ver−laufsformen der amyotrophen Lateralsklerose(ALS)" Klinische, elektrophysiologische, laborchemi−sche, bildgebende Diagnostik" Möglichkeiten der neuroprotektiven und ins−besondere der symptomatischen TherapieEinleitung!Die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist die häu−figste Motoneuronerkrankung mit Beginn im Er−wachsenenalter. Umfassend charakterisiert wur−de die Erkrankung erstmals 1873 von dem franzö−sischen Neurologen und Neuropathologen JeanMartin Charcot. Er beschrieb anhand klinischerund neuropathologischer Untersuchungen diefür die ALS kennzeichnende Kombination aus Stö−rungen der zentralen Motorik als Folge einer Pyra−midenbahnschädigung kombiniert mit periphe−ren Paresen, bedingt durch den Zelluntergang derMotoneurone im Vorderhorn des Rückenmarkes.Die Inzidenz der ALS liegt derzeit bei 2,5/ 100 000,aufgrund der sehr kurzen Überlebenszeit vondurchschnittlich 3C1775 Jahren wird die Häufigkeitder Erkrankung oft als zu gering eingeschätzt.Die Ursachen der Motoneurondegeneration beider ALS sind trotz intensiver Forschungsbemü−hungen noch nicht ausreichend verstanden. Manunterscheidet eine sporadische ALS, die bei über90 % der Betroffenen vorliegt, und eine familiäre,häufig autosomal−dominant vererbte Form. Beietwa 20 % dieser Fälle liegen Mutationen im Su−peroxid−Dismutase−1(SOD1)−Gen vor [1, 2]. DieseSOD1−assoziierten ALS−Formen sind der sporadi−schen ALS in ihrem klinischen Erscheinungsbildweitgehend vergleichbar. Die SOD1−Mutationenführen nicht zu einem Funktionsverlust desSOD1−Enzyms, vielmehr kommt es zu einem bis−her noch nicht ausreichend verstandenen toxi−schen Funktionsgewinn des mutierten Enzyms(gain−of−function−Mechanismus).Mittlerweile wurden noch 7 weitere Gene bzw.Genloci bei familiären ALS−Formen gefunden [3],die sich jedoch z.T. in Verlaufsform und Manifes−tationsalter von der klassischen sporadischenALS unterscheiden.Auch bei der sporadischen ALS werden geneti−sche Faktoren als ursächlich relevant angesehen.Genomweite Assoziationsstudien (C185Genome−wi−de association studies“) konnten verschiedene,mit einem erhöhten ALS−Risiko assoziierte Ver−änderungen identifizieren, allerdings zeigen diebisher vorliegenden Studien heterogene Ergeb−nisse [4C1779].Pathogenese der ALS!Eine Vielzahl von Pathomechanismen konnten inden letzten Jahren identifiziert werden, dazu ge−hören Exzitotoxizität, d. h. eine Erhöhung des in−trazellulären Kalziums durch vermehrte Aktivie−rung von Glutamatrezeptoren, Mikrogliaaktivie−rung mit vermehrter Freisetzung proinflammato−rischer Zytokine, Störungen der Mitochondrien−funktion mit der Folge einer vermehrten Zell−schädigung durch freie Sauerstoff− und Stick−stoffradikale, Hypermetabolismus der Muskula−tur, Störungen des axonalen Transportes undMangel an Nervenzellwachstumsfaktoren (IGF,VEGF, CNTF u. a.) [1, 3].Klinisches Bild!Das klinische Bild der ALS ist gekennzeichnetdurch das parallele Vorliegen einer Degenerationder Motoneurone im Kortex und ihrer Axone inder Pyramidenbahn (1. / oberes Motoneuron)und in den motorischen Hirnnervenkernen undim Rückenmark (2. / unteres Motoneuron). Zei−chen eines Befalls des oberen Motoneurons sindtrotz atropher Paresen erhaltene oder sogar ge−steigerte Muskeleigenreflexe, pathologische Re−flexe (positives Babinski−Zeichen) und eine spas−tische Tonuserhöhung der Muskulatur. Bei einerKollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Mitbeteiligung der kortikobulbären Bahnen zei−gen sich ein gesteigerter Masseterreflex, eineSprechstörung mit gepresster Sprache sowie sog.pseudobulbäre Affektstörungen in Form von pa−thologischem Lachen, Weinen oder Gähnen. Erst−manifestation einer ALS in Form von ausschließ−lich zentralen Paresen ist jedoch eher selten [10].Die Neurodegeneration der Motoneurone im Vor−derhorn des Rückenmarkes sowie der motori−schen Hirnnervenkerne führt zu schlaffen Pare−sen und Muskelatrophien. Die schmerzlose Mus−kelschwäche wird von manchen Patienten initialeher als Ungeschicklichkeit empfunden. Ein häu−figes Frühzeichen der ALS sind Muskelfaszikula−tionen. Sie sind in der Regel bei der klinischenUntersuchung sichtbar, in tieferen Muskelschich−ten jedoch nur elektromyografisch nachweisbar.Bei über mehrere Wochen persistierenden Faszi−kulationen sollte, auch wenn sog. benigne Faszi−kulationen bei Gesunden häufig vorkommen,eine umfassende Abklärung erfolgen.Verlaufsformen der ALS!Ein Nebeneinander von peripheren und zentralmotorischen Ausfällen, ein fokaler, asymmetri−scher, meist distaler Beginn, die Aussparung derAugenmuskeln und der Sphinkteren kennzeich−nen die sog. klassische Form der ALS.Die klassische ALS beginnt entweder an den Ex−tremitäten oder bulbär. In den meisten Fällen do−minieren zunächst die Zeichen des 2. Motoneu−rons. Bei mehr als 1/ 3 der Patienten beginnt dieErkrankung an den oberen Extremitäten, initialhäufig mit Muskelatrophien am Daumenballenund im Spatium interosseum I (l"Abb. 1). EineSonderform ist das sog. C185Flail−Arm−Syndrom“,hier kommt es zu proximal betonten atrophi−schen Paresen mit symmetrischer Ausprägungan beiden Armen bei lange Zeit erhaltener Mus−kelkraft in den unteren Extremitäten und nur ge−ringen Hinweisen auf eine Mitbeteiligung des1. Motoneurons. Diese Verlaufsform hat eine et−was günstigere Prognose [11].Etwas seltener (bei 20C17730 % der Patienten) be−ginnt die ALS an den unteren Extremitäten, auchhier überwiegend asymmetrisch und im Bereichder distalen Muskulatur, vor allem im Versor−gungsgebiet des N. peronaeus. Eine Mitbeteilungdes kortikospinalen Systems manifestiert sich ineiner Erhöhung des Muskeltonus sowie gelegent−lich auch spontan auftretenden Kloni. Bei etwa10C17715% der Patienten kommt es insbesondere inder Frühphase der Erkrankung zu schmerzhaftenMuskelkrämpfen, die bereits vor Beginn der Mus−kelschwäche auftreten können, überwiegend imBereich der Fuß− und Wadenmuskulatur [12].Zu 20C17730 % beginnt die Erkrankung mit einer Af−fektion der motorischen Hirnnervenkerne imHirnstamm (bulbäre Verlaufsform). Initialsymp−tome sind dann Veränderungen der Sprache,Schluck− und Kaustörungen, im Verlauf atrophi−sche Paresen der Zungen− und mimischen Mus−kulatur (l"Abb. 2). Aus den Schluckbeschwerdenresultiert auch eine Pseudosialorrhö als Folge derdurch die Dysphagie bedingten mangelnden Fä−higkeit, den produzierten Speichel zu schlucken.Besondere Manifestationsformender ALS!Neben der sog. klassischen ALS mit Zeichen desoberen und unteren Motoneurons und in der Re−gel fokalem Beginn, werden als eigenständigeManifestationsformen unterschieden:progressive Bulbärparalyseprogressive Muskelatrophie (PMA)primäre Lateralsklerose (PLS)Abb. 1 Typische Atrophie der Handmuskeln, besondersim Spatium interosseum I.Abb. 2 Typische laterale Zungenatrophie bei der ALS.Die klassische ALS ist charakterisiert durch einNebeneinander von peripheren und zentralenParesen. Es gibt jedoch auch Verlaufsformen,bei denen entweder Zeichen einer Schädigungdes 1. oder des 2. motorischen Neurons im Vor−dergrund stehen.Kollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung4Progressive Bulbärparalyse!Bei der progressiven Bulbärparalyse stehen Dys−arthrie und Dysphagie als Folge der Atrophienvon Zunge, Kehlkopf und Schlundmuskulatur imVordergrund der Symptomatik. Häufig findensich pathologisches Lachen, Weinen und Gähnenals Ausdruck der pseudobulbären Affektstörung,häufig auch als Affektinkontinenz oder emotio−nale Labilität bezeichnet. Durch vergleichsweisegeringe, emotional anrührende Anlässe wird einschwer zu kontrollierendes, sog. pathologischesLachen oder Weinen ausgelöst, was für die Er−krankten und auch ihre Angehörigen sehr belas−tend und sozial stigmatisierend wirken kann. Beider Entstehung dieser Phänomene scheint einefunktionelle Schädigung des präfrontalen Kortexursächlich beteiligt zu sein [13]. Eine isolierteprogressive Bulbärparalyse ist sehr selten, meistmündet diese früher oder später in das klassischeBild der generalisierten ALS.Progressive Muskelatrophie (PMA)!Bei der PMA besteht eine ausschließliche Affek−tion des 2. Motoneurons mit schlaffen Paresenund Muskelatrophien. Von einer PMA sprichtman, wenn es auch im Verlauf der Erkrankungnicht zu klinischen Zeichen einer Mitbeteiligungdes kortikospinalen Systems kommt. Mithilfe kli−nisch neurophysiologischer Untersuchungen,insbesondere mit der transkraniellen Magnetsti−mulation, lässt sich jedoch auch bei der PMA ineinigen Fällen eine Mitbeteiligung des 1. Moto−neurons detektieren. Ob es sich bei der PMA umeine ALS−Variante oder ein eigenständiges Krank−heitsbild mit unterschiedlicher Ätiologie handelt,ist noch nicht abschließend geklärt.Primäre Lateralsklerose (PLS)!Die PLS manifestiert sich ausschließlich in Formvon Zeichen des 1. Motoneurons (gesteigerteMuskeleigenreflexe, positive Pyramidenbahnzei−chen, spastische Paresen, überwiegend an denunteren Extremitäten). Der Krankheitsverlauf isthäufig über Jahre langsam progredient ohneNachweis eines Befalls auch des 2. Motoneurons.Eine EMG−Untersuchung von Muskeln der obe−ren und unteren Extremität ist bei diesen Patien−ten obligat, um eine ALS auszuschließen. Häufigwird ein leichter chronisch neurogener Umbaugefunden, der für sich alleine nicht richtungswei−send ist. Faszikulationen, positive Wellen oder Fi−brillationen gehen über das Bild der PLS hinaus.Auch nach Jahren oder sogar Jahrzehnten kanndie Erkrankung jedoch auf die spinalen Motoneu−rone übergreifen und sich dann in eine klassischeALS wandeln. Inwieweit die PLS tatsächlich eineALS−Unterform oder eine eigenständige Krank−heitsentität ist, ist derzeit noch Gegenstand kon−troverser Diskussion. Überwiegend wird sie je−doch mittlerweile als vergleichsweise benigneALS−Variante angesehen [14,15].Begleitsymptome der ALS!Respiratorische InsuffizienzFast alle ALS−Patienten entwickeln im Krank−heitsverlauf eine progrediente respiratorische In−suffizienz. Ursächlich sind Paresen der Atem−hilfsmuskulatur sowie erhöhte Infektgefahrdurch dysphagiebedingte Aspiration und Schwä−che des Abhustens von Bronchialsekreten. Früh−symptome der respiratorischen Insuffizienz sindvermehrte Tagesmüdigkeit, morgendliche Kopf−schmerzen sowie kognitive Beeinträchtigungenals Folge nächtlicher Hyperkapnie. Im Verlaufkommt es regelhaft zur manifesten Ateminsuffi−zienz mit Dyspnoe, erhöhter Atemfrequenz mitniedrigen Atemzugvolumina (rapid shallow bre−athing), Einsatz der Atemhilfsmuskulatur imHals− / Schulterbereich, sogenannter paradoxerAtmung mit Einziehung des Bauches währendder Einatmung und respiratorischem Alternansmit wechselnder abdomineller und thorakalerAtmung [16].Gewichtsverlust / DysphagieBereits zu Beginn der Erkrankung kommt es beiden meisten Patienten zu einem deutlichen Ge−wichtsverlust, der im Spätstadium der Erkran−kung dann zu einer Kachexie führen kann. Er isterklärbar durch die Abnahme an Muskelmasseinfolge der Affektion des 2. Motoneurons sowiedurch die Schluckstörung aufgrund der Bulbär−symptomatik, was die Nahrungsaufnahme er−schwert und zu einer Unter− und Mangelernäh−rung führt [17]. Dazu kommt eine Veränderungdes Energiestoffwechsels mit Erhöhung desGrundumsatzes [18].Psychische Symptome / neuropsychologi−sche AuffälligkeitenBeeinträchtigungen der Kognition gehören nichtregelhaft zur ALS. Mithilfe neuropsychologischerTests lassen sich jedoch bei über 50 % der Patien−ten leichtgradige Auffälligkeiten detektieren,etwa 15% aller ALS−Patienten erfüllen die Krite−rien einer frontotemporalen Demenz, insbe−sondere mit Einschränkungen im Bereich derExekutivfunktionen und der Gedächtnisleistung[19, 20].Mit dem Auftreten einer respiratorischen Insuffi−zienz ist bei fast allen Patienten mit ALS im Verlaufder Erkrankung zu rechnen. Durch Veränderungendes Energiestoffwechsels und Schluckstörungenkommt es bei den meisten Patienten zu einemdeutlichen Gewichtsverlust.Kollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung 5Depressive Symptome können insbesonderenach Diagnosestellung auftreten, insgesamt istdie Häufigkeit von Depressionen im Verlauf einerALS−Erkrankung jedoch geringer als anhand derSchwere der Erkrankung zu erwarten. Eine De−pression nach DSM−IV−Kriterien entwickelnetwa 10% der Patienten [21].Diagnostik der ALS!El−Escorial−KriterienStandardisierte Diagnosekriterien der ALS wur−den erstmals 1994 im Kloster El Escorial in derNähe von Madrid entworfen [22], 1998 erfolgteeine Revision dieser Kriterien [23]. Die El−Escori−al−Kriterien sind weniger relevant für die klini−sche Praxis als für den Einschluss von Patientenin wissenschaftliche Untersuchungen sowie fürdie Rekrutierung in klinische Studien. Wesentli−che Neuerungen der revidierten Kriterien sind,dass neben der klinischen Untersuchung auchdie neurophysiologische Zusatzdiagnostik, spe−ziell die Elektromyografie, sowie molekulargene−tische Untersuchungsergebnisse zur Diagnosesi−cherung herangezogen werden können. Die El−Escorial−Kriterien beurteilen 4 Körperregionengetrennt: Hirnstamm (bulbär), zervikal (obereExtremitäten), thorakal (Rumpf) und lumbosa−kral (untere Extremitäten).Laboruntersuchungen, neurophysiologischeTests über die Elektromyografie hinaus wie Elek−troneurografie und verschiedene evozierte Po−tenziale und bildgebende Verfahren dienen über−wiegend dem Ausschluss anderer klinisch ver−gleichbarer Erkrankungen des Nervensystems.Die revidierten El−Escorial−Kriterien unterschei−den zwischen einer C185sicheren“, einer C185wahr−scheinlichen“, einer C185wahrscheinlichen laborun−terstützten“ und einer C185möglichen“ ALS.Bei der sicheren ALS (C185clinically definite ALS“)wird das gleichzeitige Vorliegen von Symptomendes 1. und 2. motorischen Motoneurons in min−destens 3 unterschiedlichen Regionen gefordert.Zur Diagnose einer wahrscheinlichen ALS (C185clini−cally probable ALS“) müssen klinisch nachweis−bare Symptome des 1. und 2. Motoneurons inmindestens 2 Regionen vorliegen, wobei dieSymptome des 1. motorischen Neurons rostralder Region mit Symptomen des 2. Motoneuronsvorhanden sein müssen. Eine klinisch wahr−scheinliche, laborunterstützte ALS (C185clinicallyprobable−laboratory supported ALS“) liegt vor,wenn klinische Zeichen des 1. und 2. Motoneu−rons in nur einer Region vorliegen, jedoch zusätz−lich elektromyografisch Zeichen einer Affektiondes 2. Motoneurons in mindestens 2 Extremitä−ten nachweisbar sind (dabei wird die korrekteAnwendung von bildgebenden Verfahren und La−bordiagnostik, um andere Ursachen dieser Symp−tome auszuschließen, gefordert). Die Einstufungals mögliche ALS (C185probable ALS“) ist zu vollzie−hen, wenn in nur einer Region sowohl Symptomedes 1. als auch des 2. Motoneurons auftreten oderwenn Symptome des 1. Motoneurons in 2 odermehr Regionen vorliegen und die elektromyogra−fischen Untersuchungen nicht die Diagnose einerklinisch wahrscheinlichen laborunterstütztenALS ermöglichen. Auch wenn Symptome des 2.motorischen Neurons rostral einer Region mitSymptomen des 1. vorliegen, spricht man von ei−ner möglichen ALS.In der 1. Version der El−Escorial−Kriterien exis−tierte noch die Kategorie der klinisch vermuteten(C185clinically suspected ALS“). Damit wurde ein rei−nes Vorderhornsyndrom ohne Hinweis auf eineAffektion des 1. Motoneurons bezeichnet, dieseKategorie ist jedoch in den aktuellen El−Escorial−Kriterien nicht mehr vorhanden.ZusatzuntersuchungenDie Diagnose der ALS wird anhand der klinischenSymptomatik sowie der Ergebnisse der Elektro−myografie gestellt, bildgebende und laborchemi−sche Untersuchungen dienen dem Ausschluss an−derer, möglicherweise behandelbarer Erkrankun−gen. Dabei kommt es auch heute noch oft zueiner Verzögerung der richtigen Diagnose vondurchschnittlich mehr als ein Jahr nach Symp−tombeginn [24,25]. Dies liegt u. a. daran, dassdie Initialsymptome z.T. in wechselnder Intensi−tät auftreten, nicht krankheitsspezifisch sindoder von den Patienten verdrängt bzw. nicht be−merkt werden [26,27].Neben der klinischen Untersuchung trägt die kli−nische Neurophysiologie am meisten zur Diagno−sefindung der ALS bei (l"Tab. 1).Elektromyografie: Der wichtigste Part kommt da−bei der Elektromyografie (EMG) zu [28, 29]. Siekann besonders in frühen Stadien zur Diagnose−sicherung beitragen und ist (neben der geneti−schen Testung auf SOD1−Mutationen bei familiä−rer ALS) die einzige Zusatzuntersuchung, die vonden El−Escorial−Kriterien zur Diagnosesicherungakzeptiert wird (s.o.). Mittels Nadelelektromyo−grafie kann bereits vor klinisch auffälliger disse−minierter Denervierung ein Nebeneinander vonDenervierungs− und Regenerationszeichen in kli−nisch noch nicht betroffenen, unterschiedlich in−nervierten Muskeln bzw. Körperregionen nach−gewiesen werden. So können umschriebeneWurzel− oder Nervenläsionen weitgehend ausge−schlossen werden. Daher sollten im Rahmen derALS−Abklärung immer proximale und distaleMuskeln der oberen und unteren Extremitätenelektromyografisch untersucht werden. Falls an−hand des klinischen Bildes eine polyradikuläreSchädigung oder eine zervikale Myelopathie dif−ferenzialdiagnostisch infrage kommt, kann unterUmständen der Nachweis von Denervierung inder Zungenmuskulatur, im M. sternocleidomas−toideus oder im Musculus masseter diagnostischwegweisend sind.Kollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung6Charakteristischerweise finden sich bei der ALSpositive Wellen und Fibrillationen, einfach undkomplex repetitive Entladungen und Faszikula−tionspotenziale. Positive Wellen und Fibrillatio−nen sind ein unspezifischer Hinweis auf eine fri−sche Denervierung von Muskelfasern, sie tretenhäufiger in distalen Muskeln auf, sind aber beiALS auch proximal und in der paravertebralenMuskulatur nachweisbar. Insgesamt sprechensie für eine rasche Krankheitsprogredienz.Einfach und komplex repetitive Entladungen(auch C185pseudomyotone Entladungen“) sind An−zeichen eines eher chronifizierten Prozesses undsind bei ALS nicht selten. Die auch klinisch sicht−bare Spontanaktivität in Form von Faszikulatio−nen wird von vielen Patienten selbst wahrge−nommen und berichtet, mittels EMG können Fas−zikulationen auch in tiefergelegenen Muskelnbzw. unter einem dicken Unterhautfettgewebenachgewiesen werden [28C17731]. Die Wertigkeitdes Ultraschalls in der Detektion von Faszikula−tionen bei ALS ist noch nicht abschließend beur−teilbar.Die Potenziale motorischer Einheiten unter leich−ter Willkürinnervation weisen Veränderungenim Sinne eines chronisch−neurogenen Umbausauf. Charakteristisch sind leicht bis mittelgradigerhöhte Amplituden und vermehrte Polyphasien,etwas weniger typisch auch eine verlängerte Po−tenzialdauer. Diese Veränderungen können ent−sprechend der Krankheitsdauer und dem Aus−maß der Beteiligung des untersuchten Muskelsin ihrem Ausmaß sehr unterschiedlich sein. Alszwar unspezifisch, aber doch besonders charak−teristisch für ALS werden die sogenannten insta−bilen Potenziale motorischer Einheiten angese−Tab. 1 Obligate und fakultative Zusatzuntersuchungen in der ALS−Diagnostik (in Anlehnung an [42]).Untersuchung obligate Unter−suchungenfakultativeUntersuchungenBlut BlutsenkungsgeschwindigkeitC−reaktives Protein (CRP)DifferenzialblutbildASAT, ALAT, LDHTSH, FT4, FT3Vitamin B12und FolatSerumproteinelektrophoreseImmunfixationKreatininkinase (CK)KreatininElektrolyte (Na+, K+,ClC177,Ca++,HPO4C177)GlukoseAngiotensin−converting Enzym (ACE)LaktatHexosaminidase A und BGangliosid−GM−1−Antikörperanti−Hu, anti−MAGRA, ANA, anti−DNAanti−AChR, anti−MuSK−AntikörperSerologie (Borrelien, Virus inkl. HIV)DNA−Analyse (Details in Abb. 6.1)xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxLiquor ZellzahlZytologieProteinGlukose, LaktatProteinelektrophorese mit IgG−IndexBorrelienGangliosidantikörperxxxxxxxUrin KadmiumBlei (24−h−Sammelurin)QuecksilberManganUrin−ImmunelektrophoresexxxxxNeurophysiologie EMGNLGMEPxxxRadiologie MRT / CT (Kopf / zervikal / thorakal / lumbal)RöntgenthoraxMammografiexxxBiopsien MuskelNervKnochenmarkLymphknotenxxxxKollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung 7hen, deren Form von Entladung zu Entladungleicht variiert. Dies wird vor allem in den jüngstveröffentlichten C185Awaji−Kriterien“ betont[32,33].Das Interferenzmuster bei maximaler Willkürin−nervation kann je nach Ausmaß des Motoneuron−verlustes dicht, gelichtet oder nur noch in Formvon Einzeloszillationen auftreten. Zu Beginn derSymptomatik liegt meist ein sog. Übergangs−oder gemischtes Interferenzmuster vor, bei demdie Grundlinie nur gelegentlich sichtbar wird.Ein solches Übergangsmuster kann auch durcheine zentrale Parese bedingt sein [29].Eine gründliche elektroneurografische Untersu−chung gehört obligat zur Diagnostik der ALS. Siedient insbesondere dazu, klinisch schwer ab−grenzbare Krankheitsbilder auszuschließen, ins−besondere motorische Neuropathien wie diemultifokale motorische Neuropathie (MMN), beider sich in der motorischen Neurografie partielleLeitungsblockierungen nachweisen lassen [34].Bei der ALS liegt die motorische Nervenleitge−schwindigkeit oft noch im Normbereich, im Ver−lauf kann es durch den bevorzugten Unterganggroßer Motoneurone und ihrer dicken Axone zueiner Reduktion der motorischen Nervenleitge−schwindigkeiten, zur Verlängerung der distal−motorischen Latenz und zur Amplitudenreduk−tion aufgrund des axonalen Schadens kommen[29,35,36].Mittels transkranieller Magnetstimulation (TMS)lässt sich u.U. eine subklinische Beteiligung desoberen Motoneurons elektrophysiologisch erfas−sen. Ausdruck hierfür ist eine Verlängerung derzentralmotorischen Leitungszeit zu Extremitä−tenmuskeln, Zunge und orofazialer Muskulatur[30, 37,38]. Derartige Veränderungen sind jedochnicht ALS−spezifisch, zudem ist die Bestimmungder zentralmotorischen Latenz in der Routineun−tersuchung bei ALS−Patienten nicht wesentlichsensitiver als der klinische Befund [39, 40]. Aller−dings scheint die kürzlich beschriebene moderneTMS−Variante C185Triple−Stimulation−Technique“eine sehr hohe Sensitivität für den Nachweis derSchädigung der Pyramidenbahn auch bei ALS zubesitzen [41]. Hierzu fehlen derzeit aber nochStudien mit ausreichenden Fallzahlen.Die somatosensibel evozierten Potenziale weisenbei der ALS keine höhergradigen Veränderungenauf, können jedoch leicht verzögert sein, insbe−sondere bei Reizung an den Beinnerven. Bei deut−lichen Latenzverzögerungen sollte allerdings dieDiagnose der ALS infrage gestellt und Erkrankun−gen in Betracht gezogen werden, die periphereoder zentrale sensible Afferenzen miteinbezie−hen.In den sog. Awaji−Kriterien wurde kürzlich voneiner Arbeitsgruppe der International Federationof Clinical Neurophysiology (IFCN) die Bedeutungder Elektrophysiologie in der Diagnosesicherungder ALS nochmals hervorgehoben. Es wird emp−fohlen, den elektrophysiologischen Nachweisvon Denervierung als dem klinischen Befundäquivalent anzusehen, außerdem sollen instabileFaszikulationspotenziale, wenn sie gemeinsammit instabilen Potenzialen motorischer Einheitenauftreten, in gleicher Weise wie Fibrillationenund positive scharfe Wellen als Nachweis akuterDenervierung gelten [33].Labordiagnostik!Die europäischen Leitlinien zur Diagnosestellungund Therapie der ALS [26,27] unterscheiden zwi−schen obligater und fakultativer Serumdiagnos−tik (l"Tab. 1). Immer sollten ein Blutbild und Dif−ferenzialblutbild erstellt und Blutsenkungsge−schwindigkeit und übliche serumchemischeParameter (CRP, Elektrolyte, Glukose, Kreatinin,Leberwerte, Kreatinkinase) bestimmt werden.Leichte CK−Erhöhungen bis etwa 400U/ l könnenbei der ALS wie auch bei anderen neuromuskulä−ren Erkrankungen vorkommen und sprechennicht gegen die Diagnose. Zu den als obligat an−gesehenen Tests gehören weiterhin Vitamin−B12und Folsäure, Schilddrüsen− und Nebenschild−drüsenhormone sowie Serumelektrophoreseund Immunfixation [26,27,42].Fakultative Labordiagnostik (bei entsprechendenanamnestischen Angaben oder klinischen Symp−tomen)" Liquordiagnostik: In den europäischen Leit−linien wird die Liquordiagnostik nicht zu denRoutineuntersuchungen bei der Abklärungeiner ALS gerechnet, die Leitlinien der Deut−schen Gesellschaft für Neurologie empfehlendie Liquordiagnostik v. a. bei Vorliegen vonZeichen nur des 2. Motoneurons. Um eineentzündliche und potenziell behandelbareUrsache auszuschließen, sollten in der Regelzumindest einmal während des Krankheits−verlaufes Liquorzellzahl, Zellbild, Proteinkon−zentration sowie oligoklonale IgG−Synthesebestimmt werden. In der Regel ergibt sich einunauffälliger Befund, eine leichte Eiweißer−höhung spricht jedoch nicht gegen die Diag−nose einer ALS. Bei deutlicher Erhöhung desLiquoreiweiß sollte, v. a. bei Fehlen von Zei−chen des 1. Motoneurons, Serumimmunelek−trophorese, Untersuchung des Urins auf Ben−ce−Jones−Proteine sowie ggf. eine Knochen−markspunktion veranlasst werden." Hexosaminidase A und B (eine reduzierte En−zymaktivität kann ALS−ähnliche neurodege−nerative Syndrome hervorrufen [43])." Arylsulfatase A, VLCFA (very long chain fattyacids) (bei klinisch manifester Demenz zumAusschluss einer metachromatischen Leuko−dystrophie oder Adrenomyeloneuropathie)." GM1−Antikörper (erhöht bei Neuropathien,insbesondere der multifokal motorischenNeuropathie, ein erhöhter GM1−Antikörper−titer schließt allerdings eine ALS nicht aus).Kollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung8" Borrelienserologie, HIV−Test (Myelo− oderMyeloneuropathien im Rahmen dieser Infek−tionserkrankungen können in sehr seltenenFällen zu differenzialdiagnostischen Schwie−rigkeiten führen)." Genetische Testung (molekulargenetischerNachweis von SOD1−Mutationen) wird beipositiver Familienanamnese empfohlen, diePatienten müssen jedoch darüber informiertwerden, dass mehr als 80% der familiärenALS−Fälle durch bisher nicht molekulargene−tisch messbare Gendefekte verursacht wer−den." Eine kombinierte Degeneration bulbärer undspinaler Motoneurone, häufig mit endokrinenStörungen, v. a. Gynäkomastie, tritt bei derx−chromosomal−rezessiven spinobulbärenMuskelatrophie (Kennedy−Syndrom) auf. Be−sonders der bulbäre Befall führt häufig zurVerwechslung mit ALS, im Zweifelsfall solltehier die genetische Testung auf Triplett−Re−peat−Expansion im Androgenrezeptorgenveranlasst werden.Bildgebung!Zu den in den europäischen Leitlinien empfohle−nen obligaten Zusatzuntersuchungen gehört diekernspintomografische Darstellung von Kopfund mindestens einem Abschnitt der Wirbelsäu−le, meist der Halswirbelsäule. Die Bildgebungdient dem Ausschluss von entzündlichen undraumfordernden Prozessen, im Bereich des Spi−nalkanals vor allem dem Ausschluss von Spinal−kanalstenosen, Bandscheibenvorfällen oderRaumforderungen mit Myelon− und gleichzeiti−ger Wurzelkompression, was ebenfalls zu einemMischbild aus schlaffen und spastischen Läh−mungen führen kann [42].Nerven− und Muskelbiopsie!Es gibt keine mit der ALS assoziierten spezifi−schen histopathologisch nachweisbaren Verän−derungen im Muskel, der Befund entspricht einerneurogenen Atrophie. Eine Muskelbiopsie kannin Einzelfällen sinnvoll sein, vor allem zum Aus−schluss einer Einschlusskörpermyositis, die an−hand des oft asymmetrischen Beginns, distalenVerteilungsmusters und des raschen Fortschrei−tens der Muskelatrophien und Paresen differen−zialdiagnostische Probleme bereiten kann.Therapie der ALS!Die Therapie der ALS gliedert sich in eine kausale(neuroprotektive) und in eine symptomatische /palliative Behandlung. Bisher konnte nur für dieu.a. antiglutamaterge Substanz (Riluzol) in 2 pla−cebokontrollierten Studien eine krankheitsverzö−gernde und somit neuroprotektive Wirkungnachgewiesen werden [44C17747]. Die Verlängerungder Lebenserwartung unter Riluzol in einer Do−sierung von 100mg/d betrug in den placebokon−trollierten Studien über 18 Monate etwa 3 Mona−te, retrospektive Analysen von Datenbanken er−gaben jedoch, dass die Überlebenszeitverlänge−rung bis zu 20 Monate betragen kann [48, 49].Im fortgeschrittenen Stadium der ALS hat Riluzolwahrscheinlich nur noch einen geringen Effekt,es besteht jedoch noch kein Konsens, ob abeinem bestimmten Krankheitsstadium die Been−digung der Einnahme empfohlen werden sollte.Eine Vielzahl von Substanzen wurde seit der Ver−fügbarkeit des transgenen ALS−Mausmodells[50, 51] tierexperimentell getestet, bisher konn−ten jedoch die z.T. vielversprechende Daten ausdiesen tierexperimentellen Tests nicht in erfolg−reiche klinische Studien translatiert werden.Substanzen mit negativem Effekt in kontrollier−ten Therapiestudien sind in l"Tab. 2 aufgelistet.In Deutschland läuft derzeit eine Studie mit demoralen Antidiabetikum Pioglitazon, das im Tier−versuch antiinflammatorische und die Mikro−gliaaktivierung hemmende Eigenschaften ge−zeigt hatte [52]. In Kürze beginnt eine Studie miteiner Substanz, die die Entstehung freier Sauer−stoffradikale an der MitochondrienmembranTab. 2 Zusammenfassung der wichtigsten kontrolliertenTherapiestudien bei der ALS.N−AzetylzysteinBrain−derived neurotrophic factor (BDNF)BuspironCelecoxibCiliary neurotrophic factor (CNTF)CreatininCyclosporinDextromethorphanGabapentinGlial−derived neurotrophic factor (GDNF)IndinavirInterferon b−1aInsulin−like growth factor (IGF−1)LamotriginMinocyclinNimodipinONO−2506OxandrolonPentoxifyllinSelegilinTCH−346TopiramatVerapamilVitamin EXaliprodenDie wichtigste Zusatzuntersuchung in der diffe−renzialdiagnostischen Abklärung bei Veracht aufALS ist die Elektromyografie. Weitere Untersu−chungen (Labor− / Liquordiagnostik, bildgebendeVerfahren) dienen überwiegend dem Ausschlussanderer Erkrankungen.Kollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung 9hemmen soll (C185Mitotarget“), mit Studienzentrenin mehreren europäischen Ländern.Aufgrund des marginalen Effekts neuroprotekti−ver Therapien steht die symptomatische Therapiebei der Behandlung von ALS−Patienten im Vor−dergrund. Hier gilt der Grundsatz, dass möglichsteine multidisziplinäre Behandlung anzustrebenist. Dies führt nachgewiesenermaßen zu seltene−ren stationären Aufenthalten [26,27]. Insbeson−dere wenn eine nicht invasive Beatmung, Ernäh−rung über perkutane endoskopische Gastrosto−mie (PEG) und palliative Therapie erforderlichwird, ist ein multidisziplinärer Behandlungsan−satz anzustreben [26,27, 42]. Eine suffizientesymptomatische Therapie kann ganz entschei−dend zur Erhaltung der Lebensqualität von ALS−Patienten auch in fortgeschrittenen Krankheits−stadien beitragen.Im Folgenden soll auf häufige Symptome und Be−gleiterscheinungen der ALS, die mit symptomati−scher Therapie gut behandelbar sind, eingegan−gen werden.Sialorrhö!Der von ALS−Patienten mit Bulbärsymptomatikhäufig beklagte vermehrte Speichelfluss isteigentlich eine Pseudosialorrhö, die aus der Dys−phagie und nicht aus einer Speichelmehrproduk−tion resultiert. Sie bedingt für die Patienten in derRegel einen erheblichen Leidensdruck, zudem er−höht sie auch die Gefahr von Aspirationspneu−monien. Therapeutisch sollte zunächst ein Ver−such mit Amitriptylin in einer Dosierung von25C17750 mg bis 3−mal täglich unternommen wer−den, gut wirksam ist auch die sublinguale Gabevon Atropintropfen (2C1773 Tropfen bis zu 3−maltäglich). Alternativ kann Scopolamin entwederoral oder als Pflaster gegeben werden [26, 27,53].Bei Versagen dieser medikamentösen Therapiestellen Botulinumtoxininjektionen in die Spei−cheldrüse [54] oder die Bestrahlung der Glandulaparotis und Glandula submandibularis mit einerEinmaldosis von 7C1778 Gray eine wirksame Alter−native dar [26,27].Bei Sialorrhö und Schwäche der Atemhilfsmus−kulatur kann eine Verlegung der Atemwege mitSekret ein Problem darstellen. Abhilfe kann hierdurch die Verordnung von tragbaren Absaugge−räten geschaffen werden, die allerdings nur dieoberen Luftwege erreichen. Zusätzlich kann eineSchleimlösung durch Guaifenesin oder Azetylzy−stein, Beta−Rezeptor−Antagonisten oder anticho−linerge Bronchodilatatoren sinnvoll sein. Einemechanische Hustenunterstützung zur Erleich−terung des Hustenstoßes (sog. Cough Assist) hatsich in offenen, nicht kontrollierten Studienebenfalls bewährt [26,55]. Auch in die physio−therapeutische Behandlung sollte die assistierteHustenauslösung integriert werden.Dysphagie!Bei Beginn einer Dysphagie sollte zunächst eineErnährungsberatung und Veränderung der Kon−sistenz der Nahrung erfolgen (Pürieren, Andickenvon Flüssigkeiten, proteinreiche und hochkalori−sche Nahrungsergänzungsmittel). Im Rahmender physiotherapeutischen und logopädischenBehandlung sollten Schlucktechniken vermitteltwerden, die eine Aspiration von Nahrung verhin−dern. Bei weiterer Zunahme der Dysphagie ist inder Regel eine ergänzende enterale Ernährung er−forderlich. Das häufigste hierzu verwendete Ver−fahren ist die perkutane endoskopische Gastro−stomie (PEG). Der Zeitpunkt der Anlage hängt da−bei von dem Ausmaß der Bulbärsymptomatik,der Mangelernährung sowie der respiratorischenFunktion und dem Allgemeinzustand ab. Auf−grund der für den Eingriff erforderlichen Sedie−rung sollte die PEG−Anlage möglichst vor einerhöhergradigen respiratorischen Insuffizienz undweit fortgeschrittenen Kachexie erfolgen [56].Als Faustregel gilt, dass bei einer Gewichtsabnah−me von mehr als 10% des Ausgangsgewichts dieIndikation zur PEG gestellt werden sollte. Aller−dings gibt es bisher keine Studien, die belegen,dass eine PEG Aspirationspneumonien verhin−dern, die Lebensqualität verbessern oder zur Le−benszeitverlängerung beitragen kann. Bei Patien−ten mit höhergradigen Atemfunktionsstörungenoder in fortgeschrittenen Krankheitsstadien bie−tet sich als Alternative zur PEG−Anlage die PRG(perkutane radiologische Gastrostomie; auchRIG, radiologisch implantierte Gastrostomie) an.Vorteil ist, dass hier keine Sedierung währendder Anlage erforderlich ist. Kontrollierte Studien,die beide Prozeduren vergleichen, existieren je−doch noch nicht [27].Dysarthrie!Die fortschreitende Dysarthrie führt im Krank−heitsverlauf regelhaft zu Beeinträchtigungen derKommunikation. Bei Beginn der Beeinträchti−gung der Sprechfähigkeit sollte daher routinemä−ßig mit einer logopädischen Behandlung begon−nen werden, um die Kommunikationsfähigkeitso lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Beifortgeschrittener Dysarthrie sollten Kommunika−tionshilfssysteme eingesetzt werden, diese rei−chen von Bildtafeln über Sprachcomputer bis hinzu mit den Augen steuerbare Kommunikations−hilfen. In der experimentellen Erprobung befin−den sich derzeit sog. Brain−Computer−Interfaces,Zur neuroprotektiven Therapie der ALS ist derzeitnur der Glutamatantagonist Riluzol zugelassen.Kollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung10die EEG− und EP−Signale auf einen Computerübertragen können [57,58].Respiratorische Insuffizienz!Die respiratorische Insuffizienz bei der ALS be−ruht primär auf einer Muskelschwäche derZwerchfell− und Interkostalmuskulatur, zusätz−lich wird sie verschlechtert durch die Bulbär−symptomatik mit Schluckstörung, rezidivieren−den Aspirationen und daraus resultierendenbronchopulmonalen Infekten. Frühzeichen einerbeginnenden nächtlichen Hypoventilation sindu.a. morgendliche Kopfschmerzen, vermehrteTagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen unddepressive Symptome (l"Tab. 3). Nach derarti−gen Beschwerden sollte daher in der Anamnesevon ALS−Patienten routinemäßig gefragt werden[42]. Zur Ermittlung der Indikation einer nicht−invasiven Maskenbeatmung sollte rechtzeitigeine Schlaflabordiagnostik mit nächtlicher Oxy−metrie in die Wege geleitet werden. Zudem solltebei ALS−Patienten regelmäßig die Vitalkapazitätkontrolliert werden. Eine noch sensitivere Me−thode ist die Messung des SNIP (Sniff−nasal−in−spiratory pressure, nasaler inspiratorischerDruck beim Schnupfen). Problematisch sind bei−de Untersuchungsmethoden allerdings bei Pa−tienten mit höhergradiger Bulbärsymptomatik[59]. Bereits vor Auftreten erster Symptome einerrespiratorischen Insuffizienz sollte mit dem Pa−tienten und den Angehörigen über die Möglich−keiten der invasiven und nicht invasiven Beat−mung gesprochen werden. Initial ist in der Regeldie nicht invasive Maskenbeatmung Therapie derWahl, meist wird nach Polysomnografie in einemSchlaflabor eine intermittierende nächtlicheMaskenbeatmung im BIPAP (Biphasic PositiveAirway Pressure)−Modus eingerichtet. Für dieseBehandlung wurde mittlerweile sowohl ein Ef−fekt auf die Lebensqualität als auch eine lebens−verlängernde Wirkung gezeigt [60]. Falls dienicht invasive Beatmung aufgrund des Fort−schreitens der respiratorischen Insuffizienz nichtmehr zu einer ausreichenden Oxygenierung desBlutes führt, besteht die Möglichkeit der invasi−ven Beatmung über ein Tracheostoma, was dieÜberlebenszeit deutlich verlängern kann.Schwerwiegende Probleme treten vor allemdurch die zunehmende Einschränkung der Kom−munikation langzeitbeatmeter Patienten, die bishin zu einem Locked−in−Stadium reichen, auf[27]. Die invasive Heimbeatmung geht mit Belas−tungen für die pflegenden Angehörigen einher[61, 62], Studien zu Lebensqualität der invasivbeatmeten ALS−Patienten selbst haben aber ge−zeigt, dass viele ihre Lebensqualität über längereZeit als gut empfinden. Sowohl bei der nicht inva−siven Maskenbeatmung als auch bei der invasi−ven Beatmung über Tracheostoma sollten beglei−tend stets Medikamente zur Hemmung der Bron−chialsekretion und physiotherapeutische Maß−nahmen zur Verbesserung des Abhustens ein−gesetzt werden. Eine Sauerstoffgabe ist bei ALS−Patienten, außer im Rahmen einer akuten De−kompensation wie z. B. bei Infekten, kontraindi−ziert, da sie die CO2−Retention verstärken kann.Falls sich Patienten gegen eine invasive odernicht invasive Beatmung entscheiden oder eineBeendigung der Beatmung beschlossen wird,können zur Palliativbehandlung Benzodiazepinezur Anxiolyse (Lorazepam), bei länger anhalten−den Dyspnoezuständen Morphin (per os /subku−tan /intravenös) zum Einsatz kommen [27].Pseudobulbäre Affektinstabilität!Bei Patienten mit einer Affektion der kortikobul−bären Bahnen treten häufig sog. Pseudobulbär−symptome auf (pathologisches Lachen oder Wei−nen, Zwangsgähnen). Diese wirken sozial stigma−tisierend und werden von den Patienten oft alshöchst unangenehm empfunden. Zur symptoma−tischen Therapie der Pseudobulbärsymptomatiksollten trizyklische Antidepressiva oder Seroto−ninwiederaufnahmehemmer eingesetzt werden,eine randomisierte kontrollierte Studie zeigte,dass die Kombination aus Dextrometrorphanund Quinidin ebenfalls wirksam ist [63].Muskelkrämpfe!Bereits frühzeitig im Krankheitsverlauf könnenbei spinalem Beginn der ALS schmerzhaftenächtliche Muskelkrämpfe auftreten, diese soll−ten zunächst physiotherapeutisch angegangenwerden, falls erforderlich ergänzt durch eine me−dikamentöse Behandlung mit Chininsulfat ineiner Dosierung von 200 mg/d, alternativ kön−Tab. 3 Symptome nächtlicher Hypoxien.Ein− / Durchschlafstörungen mit häufigemnächtlichen AufwachenAlbträumevermehrtes Schwitzenmorgendliche Kopfschmerzenvermehrte Tagesmüdigkeit und Abgeschlagenheitkognitive Leistungsminderung / Konzentrations−störungenDepressionen, Angst, NervositätAppetitlosigkeitSchwindel, SynkopenBelastungsdyspnoeOrthopnoePatienten und Angehörige sollten frühzeitig aufdas Auftreten einer respiratorischen Insuffizienzvorbereitet und über die Möglichkeiten der nichtinvasiven und invasiven Beatmung informiertwerden.Kollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung 11nen Magnesium oder Carbamazepin eingesetztwerden [26,27].Spastik!Bei überwiegender Affektion des 1. Motoneuronskönnen für die Patienten sehr schmerzhafteSpastiken an den oberen und unteren Extremitä−ten auftreten. Auch hier sollten zunächst physio−therapeutische Maßnahmen zum Einsatz kom−men (Krankengymnastik nach Bobath, Hydrothe−rapie, Wärme− oder Kälteanwendungen). Fallsdies nicht ausreicht, sollte Baclofen entwederoral oder ggf. auch intrathekal verabreicht wer−den [26,27,42].Depressionen und Schlafstörungen!Depressive Symptomatik, Angststörungen undEin− oder Durchschlafstörungen treten bei derALS, insbesondere nach Mitteilung der Diagnose,aber auch in späteren Krankheitsstadien häufigauf. Die größte Erfahrung bei der Therapie dieserSymptome besteht mit den Antidepressiva Ami−triptylin, Sertralin, Fluoxetin und Paroxetin[26,27]. Bei Schlafstörungen haben sich Amitrip−tylin und Zolpidem bewährt [53].Palliative Versorgung im Terminal−stadium!Eine vorausschauende Planung palliativer Maß−nahmen im Krankheitsendstadium sollte früh−zeitig gemeinsam mit den Angehörigen erfolgen.Häusliche palliative Pflege oder eine Hospizver−legung kann die Betreuung durch eine neurologi−sche multidisziplinäre Klinik ergänzen. Ziel derPflege ist es, dem Patienten und seiner Familiedie bestmögliche Lebensqualität zu bieten, in−dem Symptome gelindert, psychologische undgeistliche Unterstützung angeboten, ein friedvol−ler Tod ermöglicht und die Angehörigen im Trau−erfall unterstützt werden [42].Zusammenfassung!Bei der Diagnosestellung der ALS steht die klini−sche und neurophysiologische Untersuchung imVordergrund. Labordiagnostik, Liquordiagnostik,Bildgebung, Nerven− und Muskelbiopsie dienenhauptsächlich zum Ausschluss anderer, mögli−cherweise behandelbarer Erkrankungen.Zur kausalen Therapie der ALS ist momentan nurder Glutamatantagonist Riluzol mit marginalemtherapeutischen Potenzial zugelassen. Die symp−tomatische Therapie der Erkrankung wird auf ab−sehbare Zeit im Vordergrund stehen, auch wennan der Entwicklung von neuen neuroprotektivenWirkstoffen intensiv geforscht wird.Literatur1 Bruijn LI, Miller TM, Cleveland DW. Unraveling the mecha−nisms involved in motor neuron degeneration in ALS.Annu Rev Neurosci 2004; 27: 723C1777492 Rosen D et al. Mutations in Cu / Zn superoxide dismutasegene are associated with familial amyotrophic lateralsclerosis. Nature 1993; 362: 59C177623 Pasinelli P, Brown RH. Molecular biology of amyotrophiclateral sclerosis: insights from genetics. Nat Rev Neuro−sci 2006; 7: 710C1777234 Cronin S et al. 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Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung12Group on Neuromuscular Diseases and the El Escorial.C185Clinical limits of amyotrophic lateral sclerosis“ work−shop contributors. J Neurol Sci 1994; 124 (Suppl.):96C17710723 Brooks BR et al. El Escorial revisited: revised criteria forthe diagnosis of amyotrophic lateral sclerosis. Amyo−troph Lateral Scler Other Motor Neuron Disord 2000;1: 293C17729924 Chio A. ISIS Survey: an international study on the diag−nostic process and its implications in amyotrophic later−al sclerosis. J Neurol 1999; 246 (Suppl. 3): III1C177525 Chio A. Update on ISI survey: Europe, North America andSouth America. Amyotroph Lateral Scler Other MotorNeuron Disord 2000; 1 (Suppl. 1): S9C1771126 Andersen PM et al. EFNS task force on management ofamyotrophic lateral sclerosis: guidelines for diagnosingand clinical care of patients and relatives. Eur J Neurol2005; 12: 921C17793827 Andersen PM et al. 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Treatment of pseudobulbar affect in ALSwith dextromethorphan / quinidine: a randomized trial.Neurology 2004; 63: 1364C1771370Kollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung 13CME−Fragen Amyotrophe Lateralsklerosen1Welche Aussage ist falsch? Bei der Pathogenese der ALSwerden u. a. folgende Mechanismen diskutiert:A ExzitotoxizitätB MikrogliaaktivierungC Störungen der MitochondrienfunktionD Hypometabolismus der MuskulaturE Störungen des axonalen Transportesn2Welche Aussage ist richtig?A Bei der ALS ist ein Nebeneinander von zentralen undperipheren Paresen charakteristisch.B Typischerweise kommt es zu proximalen symmetrischenParesen.C Faszikulationen treten meist erst im Krankheitsend−stadium auf.D Generalisierte Faszikulationen beweisen das Vorliegeneiner ALS.E Bei der bulbären Form der ALS kommt es frühzeitig zuStörungen der Okulomotorik.n3Welche Aussage trifft zu?A Bei der PLS kommt es zu schlaffen Paresen und Muskel−atrophien.B Bei der PMA sind die Muskeleigenreflexe gesteigert.C Die primäre Bulbärparalyse geht häufig mit Störungendes Affekts einher.D Die PLS zeichnet sich durch einen rasch progredientenVerlauf aus.E Der Nachweis von Zeichen chronisch neurogenen Umbausim EMG ist nicht mit der Diagnose einer PLS vereinbar.n4Welche der Aussagen ist falsch? Mögliche Begleit−symptome der ALS sindA DepressionB frontotemporale DemenzC GewichtsverlustD UrininkontinenzE respiratorische Insuffizienzn5Welche Aussage ist richtig? Die Awaji−KriterienA sind an die Stelle der El−Escorial−Kriterien getreten.B ermöglichen die Diagnose der ALS rein anhand deselektrophysiologischen Befunds.C betonen die Gleichwertigkeit des klinischen und elektro−physiologischen Nachweises von Denervierungszeichen.D klassifizieren Fibrillationen nicht als Zeichen akuterDenervierung.E müssen vor dem Einschluss von Patienten in klinischeStudien angewandt werden.n6Zur Diagnosesicherung der ALS ist gemäß den El−Escorial−Kriterien folgende Zusatzuntersuchung anerkannt:A transkranielle MagnetstimulationB ElektromyografieC LiquordiagnostikD ElektroneurografieE MRTn7Welche der Aussagen ist falsch?A Die Sialorrhö lässt sich medikamentös mit Atropin−Tropfen behandeln.B Botulinumtoxininjektionen sind zur Behandlung derSialorrhö geeignet.C Spastik sollte zunächst physiotherapeutisch behandeltwerden.D Schlafstörungen können mit Trizyklika behandelt werden.E Bei Sekretstau in den Atemwegen sollten Glukokortikoideeingesetzt werden.n8Welche der Aussagen trifft zu?A Der Zeitpunkt einer PEG−Anlage ist genau definiert.B Die PEG−Anlage sollte möglichst spät erfolgen, um denTrainingseffekt des Kauens nicht zu vermindern.C Die PEG−Anlage sollte möglichst vor einer höhergradigenrespiratorischen Insuffizienz erfolgen.D Die Anlage einer RIG (radiologisch implantierte Gastro−stomie) muss in Vollnarkose erfolgen.E Der lebensverlängernde Effekt der Ernährung über PEGist erwiesen.n9Welche Aussage trifft nicht zu: Symptome nächtlicherHypoxien sind:A gesteigerter AppetitB erhöhte TagesmüdigkeitC KonzentrationsstörungenD DepressionenE morgendliche Kopfschmerzenn10Welche Aussage ist falsch?A Für die BIPAP−Beatmung wurde ein positiver Effekt auf dieLebensqualität gezeigt.B Für die BIPAP−Beatmung wurde eine lebensverlängerndeWirkung gezeigt.C Eine Sauerstoffgabe sollte bei ALS−Patienten regelhafterfolgen.D Bei Symptomen nächtlicher Hypoxien ist eine Schlaf−laboruntersuchung indiziert.E Die invasive Beatmung über Tracheostoma verlängertdie Überlebenszeit.Kollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung14A Angaben zur PersonName, Vorname, Titel:Straße, Hausnr.: PLZ | Ort:Anschrift:nprivatndienstlichEFN−Nummer:Ich bin Mitglied der Ärztekammer (bitte Namen der Kammer eintragen):Jahr meiner Approbation:Ich befinde mich in der Weiterbildung zum:Ich habe eine abgeschlossene Weiterbildung in (bitte Fach eintragen):Ich bin tätig als:nAssistenzarztnOberarztnChefarztnniedergelassener ArztnSonstiges:B LernerfolgskontrolleBitte nur eine Antwort pro Frageankreuzen n1nAnBnCnDnEn6nAnBnCnDnEn2nAnBnCnDnEn7nAnBnCnDnEn3nAnBnCnDnEn8nAnBnCnDnEn4nAnBnCnDnEn9nAnBnCnDnEn5nAnBnCnDnEn10nAnBnCnDnEC ErklärungIch versichere, dass ich die Beantwortung der Fragen selbst und ohne Hilfe durchgeführt habeOrt | Datum: Unterschrift:D Feld für CME−Wertmarke E ZertifizierungsfeldBitte in dieses Feld die CME−Wertmarke klebenoder Ihre Abonnement−Nummer eintragen:(siehe Adressaufkleber)Zertifizierungsfeld (wird durch den Verlag ausgefüllt)Ihr ErgebnisSie habennvon 10 Fragen richtig beantwortet.Sie habenn bestanden und 3 CME−Punkte erworben.n nicht bestandenStuttgart, denDatumStempel/Unterschriftn>Bitte unbedingt Rückseiteausfüllen!Kollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung 15F Fragen zur Zertifizierung Didaktisch−methodische EvaluationEine Antwort pro Frage.Bitte unbedingt ausfüllen bzw.ankreuzen, da die Evaluationsonst unvollständig ist!1 Das Fortbildungsthema kommt in meiner ärztlichen Tätigkeitnhäufig vornselten vornregelmäßig vorngar nicht vor2 Zum Fortbildungsthema habe ichneine feste Gesamtstrategiennoch offene Einzelprobleme:nkeine Strategie3 Hinsichtlich des Fortbildungsthemasnfühle ich mich nach dem Studium des Beitrags in meiner Strategie bestätigtnhabe ich meine Strategie verändert:nhabe ich erstmals eine einheitliche Strategie erarbeitetnhabe ich keine einheitliche Strategie erarbeiten können4 Wurden aus der Sicht Ihrer täglichen Praxis heraus wichtige Aspekte des Themasnicht erwähnt?nja, welchenneinzu knapp behandelt?nja, welchenneinüberbewertet?nja, welchennein5 Verständlichkeit des BeitragsnDer Beitrag ist nur für Spezialisten verständlichnDer Beitrag ist auch für Nicht−Spezialisten verständlich6 Beantwortung der FragennDie Fragen lassen sich aus dem Studium des Beitrages allein beantwortennDie Fragen lassen sich nur unter Zuhilfenahme zusätzlicher Literatur beantworten7 Die Aussagen des Beitrages benötigen eine ausführlichere Darstellungnzusätzlicher Datennvon Befunden bildgebender Verfahrenndie Darstellung ist ausreichend8 Wie viel Zeit haben Sie für das Lesen des Beitrages und die Bearbeitung des Quiz benötigt?n>Einsendeschluss30.3.2010Bitte senden Sie den vollständigen Antwortbogen zusammen mit einem an Sie selbst adressierten und ausreichendfrankierten Rückumschlag an denGeorg Thieme Verlag KG, Stichwort C185CME“, Postfach 30 11 20, 70451 StuttgartKollewe K, Petri S. Amyotrophe Lateralsklerose C188 Klin Neurophysiol 2009; 40: 3C17716Fort− und Weiterbildung16
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